Tango-DJing – eine Einführung
 


Teil 2: Planung einer Milonga

Text: Veronika Fischer
Foto: Elke Koepping


Neue Nationalgalerie "Melancholie" (2006)



Nachdem im letzten Artikel die technischen Voraussetzungen und Vorarbeiten für DJing besprochen wurden, geht es nun um die Gesamtplanung einer Milonga. 

Auch hier finden sich im Text wieder Illustrationen, die durch Klick zur besseren Lesbarkeit vergrößert werden können.



Zusammenstellung von Tandas

Die Zusammenstellung von Tandas – 3-4 Stücken, die in einer Folge aufgelegt werden – sollte man zu Hause erledigen, denn Tandas aus dem Stand zusammenzustellen, erfordert einiges an Konzentration und Erfahrung. 

Die klassischen Grundregeln sind einfach: Genres werden nie gemischt, d. h. eine Tango-Tanda besteht aus 4 Tangos, eine Vals-Tanda hat 3 oder 4 Valses, eine Milonga-Tanda ebenfalls 3 oder 4 Stücke.  Ich wähle lieber drei, und bringe dafür öfter mal Vals / Milonga – so kommt Abwechslung in die Veranstaltung, und die Tänzer erschöpfen nicht so schnell.

Innerhalb einer Tanda spielt man dieselbe Orquesta, und/oder Stücke aus einem engen Zeitrahmen (~ 4 Jahre). Für Vals und Milonga kann man das lockerer halten, stilistische Konsistenz ist da wichtiger. Sänger – wenn sie mit derselben Orquesta auftreten – können innerhalb einer Tanda gemischt werden, schwieriger ist es dagegen, instrumentale und gesungene Stücke zu mischen. Stück 1 und 2 instrumental, 3 gesungen, 4 instrumental aber funktioniert meistens.


Die Stücke sollten einen ähnlichen Stil haben (Moll/Dur, fröhliche/dramatische Klangqualität, weich/hart), aber auch nicht total gleich sein. Das erste Stück sollte bekannt und "stark" sein, die Leute auf die Tanzfläche ziehen. Es kann auch ein Intro haben (Sänger spricht, Orquesta spielt ohne Beat). Das zweite und dritte Stück können weniger bekannt sein, aber müssen die Energie aufrechterhalten. Stück Nr. 4 muss wieder richtig fetzen – dann bleiben die Leute auch noch für die nächste Tanda.
Auf Möglichkeiten der Anordnung für Elektrotango und alternative Stücke wird erst im nächsten Teil eingegangen.

Als letzte Tanda sollte man 2-4 Version von "La cumparsita" planen – eine alte Tradition aus Buenos Aires, die anzeigt, dass sich der Abend seinem Ende zuneigt. Ein oder zwei Jazz- oder Klassik-Stücke zum Zusammenpacken vermeiden dröge Stille als Ausklang der Milonga.

Am besten lernt man die Zusammenstellung einer guten Tanda durch Analysieren von Beispielen – entweder eines guten DJs vor Ort, oder z. B. http://www.tejastango.com. Warum sind die Tandas so aufgebaut? Was hält sie zusammen? Wie ist der Energiefluss? Dann kann man versuchen, eine Tanda mit zwei festgelegten und zwei eigenen Stücken nachzubauen – und immer wieder anhören. Wenn eine Tanda richtig gut ist, funktioniert sie meistens auch verkehrtherum (4-3-2-1). Wenn man die Musik gut kennt, und Zusatzinformationen (Beats per Minute, Charakter des Stückes) vorab festgehalten hat, genügt es auch nachzuprüfen, ob Ende und Anfang zweier Stücke zusammenpassen.



Planung einer gesamten Milonga

Was eine Milonga enthalten soll, richtet sich primär nach Ort und Charakter der Veranstaltung – für den In-Club wird man anders auflegen als fürs Nachmittags-Tanzcafé, und die Práctica für Studenten braucht andere Musik als die Milonga, zu der nur Liebhaber von klassischem Tango kommen. Also gilt es, zunächst den Rahmen auszuloten, und zu überlegen, was gewünscht wird.

Für eine klassische Milonga schlägt Keith Elshaw aus Montréal vor, alle dieser acht großen Orquesta zu bringen: Osvaldo Pugliese, Carlos di Sarli, Francisco Canaro, Angel d'Agostino mit Angel Vargas, Juan d'Arienzo, Miguel Caló, Anibal Troilo, Ricardo Tanturi. Das ist in jedem Fall eine grundsolide Wahl, zumindest für eine 4-6 Stunden-Milonga.

Grundsätzlich werden ca. 60-70% Tango und je 15-20% Vals und Milonga gespielt, man kann je nach Publikum natürlich auch eine andere Tanz-Tanda (Salsa, Chacarera, Rock'n'Roll) einbauen. Allerdings verlangen solche Unterbrechungen, die Energie danach wieder neu aufzubauen, ganz ähnlich dem Anfang der Milonga, und sind daher für Anfänger-DJs eine Herausforderung.

Dieser Teil widmete sich der Zusammenstellung von Tandas, sowie der Auswahl von Tandas für eine Milonga. Im nächsten Teil wird besprochen, wie die Tandas aneinandergereiht werden, und welche Musik sich für welchen Abschnitt des Abends eignet. Fragen oder Anregungen gerne wiederum an die Leserbrief-Adresse, sie werden individuell oder im Rahmen der Serie aufgegriffen.

Lesen Sie auch den ersten Teil: Technische Grundlagen in unserer November-Ausgabe 2006.

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Ausgabe Dezember 2006

 


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Herausgeber:
Jörg Buntenbach (V.i.s.d.P.)