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Text: Robert
Schmitz-Niehaus
Es war im Februar, denke ich, zu der Zeit im Jahr
wenn es noch kalt, feucht und ungemütlich bei uns ist. Der Stockholm 59°
Tango-Marathon stand vor der Tür – aber meine Planung musste ja
weitergehen. Studierte ich also den Festivalkalender dieses
Onlinemagazins, kam mir der Link zum Istanbul-Festival unter die Augen.
Terminlich passte das, ich ging auf die Seite. Gosh – da blieb mir die
Spucke weg bei den Bildern. Sultans Palace, 600 m² Tanzfläche,... ich
hing am Haken, hatte den Köder geschluckt! Die Reiseinformationen, die von der Website
herunter zu laden waren, haben
sich als äußerst wertvoll erwiesen, hierbei insbesondere die türkische
Wegbeschreibung zum Hotel. Sie sparte mir auf dem Weg vom Flughafen
glatt 75 Euro, da ich meinen Weg via öffentlicher Verkehrmittel bewältigen
konnte – und natürlich auch mit Hilfe der freundlichen Passanten. Der
Weg nahm etwa 2 Std. in Anspruch. Ich
bekam schon einen Eindruck von der 16 Millionen Einwohner zählenden
Stadt. Ihren Abschluss nahm die Anreise mit einer Fahrt auf der Fähre
zum asiatischen Teil der Stadt über den Bosporus.
Das Festival fand an drei Orten statt: dem
Sportclub Dalyan, dem Adile Sultan Palast und in dem historischen
Bahnhof Haydarpasa,
Startpunkt des Orientexpress auf asiatischer Seite. In dem Club, eine
großzügige Anlage mit Tennisplätzen, einem Swimmingpool, Restauration
und Clubhaus fanden alle Workshops sowie zwei der Milongas statt. Am
Donnerstag open air die Erste, am Pool bei wunderbar sommerlichen
Temperaturen und einer leichten Brise, auf poliertem Travertin, mit
Live-Musik von TANGO + ,einem türkischen Ensemble mit einer bis
zu zwei Personen starken Gesangsbesetzung. Schöne Musik haben die
gespielt, und kultiviert ging es auf der Tanzfläche zu, auf hohem
Niveau – eine wahre Freude! Alle während des Festivals
unterrichtenden Maestros gaben einen gemeinsamen Showtanz, wie auch an
den folgenden Abenden Einzelshows: Pablo & Dana, Sebastiano &
Mariana, Celine & Damian sowie Adrian & Alejandra. Bemerkenswert
noch: ein türkisches Nachwuchspaar, Evren Sayin & Vanessa Gauch,
tanzte einen schwungvollen, offen Nuevo.
Der folgende Abend dann: das heiß ersehnte
Highlight, tanzen im Sultans Palast! Der lag eine Stunde Fahrt mit dem
Bus entfernt am Rand der Stadt. Transfer übrigens wie mehrfach täglich
mit dem perfekt organisierten Shuttleservice! Manchmal ließ die Pünktlichkeit
ein wenig zu wünschen übrig, aber das war der einzige Malus, ansonsten
hatte das Team um Aydogan einen perfekten Event organisiert –
Kompliment! Nach der Fahrt entließ der Bus seine Insassen auf einer
majestätisch gelegenen Anhöhe über dem Bosporus am Sultans Palast.
Hinein in das Gebäude, im ersten Stock dann der Saal: WOW, das war wie
auf dem Bild im Netz! Allerdings war die Tanzfläche nicht 600 m² groß,
sondern die Etage, aber das Oval und die Dimension waren überwältigend.
Eine wundervolle Tangonacht verbrachte ich hier auf
einzigartigem Terrain, zusammen mit etlichen Chaoten und vielen
tollen Tänzerinnen.
Am Samstag Abend dann die zweite große Milonga: im
alten Bahnhof. Dieser lag direkt am Hafen, mit Blick auf den europäischen
Teil Istanbuls mit einzigartigem Panorama. Die eigentliche Überraschung
war aber der Bahnhof selbst: er ist historisch – wunderschön – und:
er ist voll in Betrieb! Aydogan hatte einfach die Schalterhalle für den
Publikumsverkehr gesperrt, damit wir alle - Gäste aus Indonesien,
Asien, ganz Europa, Nord- und Südamerika - dort tanzen konnten. Und das
zu einer echten Überraschung: dem zweiten öffentlichen Auftritt von Istanbul
Academia Project. Was hier kam haute mich aus den Schuhen, klang wie
eine Synthese aus Otros Aires, Narcotango und Gotan Project: wunderschönster
elektronischer Tango Nuevo mit unverwechselbaren, teils außergewöhnlichen
Instrumenten: einer traditionellen Ney, einem seit 5000 Jahren
existierenden Blasinstrument und Vorläufer der modernen Flöte; einem
großen „Becken“, dem Bendir, einer wunderbaren Geige und einem
Bandoneon. Vielleicht gibt es ja bald konservierte Musik zu kaufen...
Auch diese Milonga war dann leider viel zu früh, wie alle anderen auch,
um 3:00 zu Ende. Allerdings: dann gingen wir erst mal was essen
an der Uferpromenade. Da war noch rege Betriebsamkeit um diese Uhrzeit.
Etliche Tango-Grüppchen stillten Hunger und Durst mit dem was die türkische
Küche zu bieten hatte, so dass die Nacht doch noch lang wurde ....
Den Abschluss des fröhlichen Miteinanders bildete
die Sonntagsmilonga wieder im Club Dalyan, diesmal drinnen, beengter
aber ohne die Quertreiber aus den großen Veranstaltungen.
Linktipp: Tango-Festivals in Europa >>jetzt ansehen
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Email: willkommen@tangokultur.info Im Internet: www.tangokultur.info Herausgeber: Jörg Buntenbach (V.i.s.d.P.) |