Tango & Wissenschaft
 


Tango und Wissenschaft? Geht das zusammen? Das eine emotionsgeladen, das andere kopflastig. Warum zerfasern, zergliedern, analysieren, was so viel Wonne bereitet? Muss eigentlich alles auf der Welt bis ins Detail erklärt werden? Ist es nicht viel schöner, weiter am Mythos des Tango zu stricken? Welches Verständnis kann eine wissenschaftliche Aufbereitung des Tango einem Tänzer mehr bringen als das eigene Körper- und Emotionsgedächtnis?

Fragen über Fragen und schon Anlass genug für eine ganze Dissertationsschrift. Über den Tango gibt es eben viel zu sagen und noch mehr herauszufinden. Ob objektiv oder ganz privat. Und vergessen wir nicht: die Geschichtswissenschaft z. B. ist auch eine Wissenschaft (neben vielen anderen), niemand wird ein ganz persönliches, gelegentliches Interesse an der Tangogeschichte leugnen wollen. Nur wenige Texte liegen aber auf deutsch vor, Artikel zur europäischen Tangogeschichte existieren kaum.

In den letzten Monaten wurde unsere Redaktion wiederholt von jungen WissenschaftlerInnen um Vermittlung von Kontakten, Infos, Materialien zur Anfertigung von Abschlussarbeiten gebeten. Grund genug für uns, diese Projekte einmal zentral aufzulisten und so die Vernetzung von WissenschaftlerInnen im deutschsprachigen Raum, aber auch im Rest Europas untereinander direkt zu fördern bzw. interessierten Laien die Möglichkeit zur Literaturrecherche zu bieten. Die Liste befindet sich in einer ständigen Wachstumsphase, wir bitten also um laufende Ergänzungen, sollte Ihr Forschungsprojekt (Magister-, Diplom- oder Staatsexamensarbeit, Dissertation, Habilitation, anderweitige wissenschaftliche Publikation etc.) hier nicht zu finden sein.

Ergänzungen bitte per E-mail an die Redaktion.

Stand: 09.01.2007

Berger, Christiane, "... es ist 'ne reine Gespürsache." Zur körperlich-leiblichen Verständigung im Tango Argentino, in: Margit Bischof, Claudia Feest, Claudia Rosiny (Hg.): e_motion. Jahrbuch Tanzforschung 16, Hamburg: Lit, 2006.

Der Artikel untersucht auf der Grundlage von Interviews mit Tänzerinnen
und Tänzern die nicht-sprachliche Verständigung der Tanzpartner im Tango Argentino. Dabei orientiert er sich an der Unterscheidung von Körper und Leiblichkeit, um das Zusammenspiel von Körperbewegung und Leibempfindung sowohl im einzelnen Tänzer als auch zwischen den beiden Tanzpartnern zu beschreiben. Anhand der drei Themen (a) körperliche sowie leibliche Aspekte des Körperkontakts, (b) tanztechnische Grundlagen der Bewegung, ihr Bezug zur Musik und emotionaler Gehalt sowie (c) das Paar im Spannungsfeld von Ich, Du und Wir, zeigt er, dass die wechselseitige leibliche Empfindung der Partnerin/des Partnern die gemeinsame Körperbewegung des Tanzpaares ermöglicht.

Berger, Christiane u. Robert Gugutzer: "Bewegen und Spüren. Zur Verständigung und Bewegungskoordination im Tango Argentino", in: Miriam Fischer u. Monica Alarcon (Hg.): Philosophie des Tanzes. Denkfestival eine interdisziplinäre Reflexion des Tanzes. Freiburg: fwpf, 2006. S. 31-45.

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Burkhardt, Tanja, "Themen im Tango. Die Entstehung der Bilder und
Geschichten im Tango Argentino, ihre Verarbeitung im Bewegungsvokabular und ihre Weiterführung in der Berliner Tangoszene." Magisterarbeit am Institut für Theaterwissenschaft der Freien Universität Berlin, 18.08.2006.

Die Arbeit ist nach Abschluss des Prüfungsverfahrens in der Institutsbibliothek (Grunewaldstr. 35, Berlin-Steglitz) einsehbar.

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Elsner, Monika, "Das vier-beinige Tier. Bewegungsdialog und Diskurse des Tango argentino", Europäische Hochschulschriften, Reihe 24, Iberoromanische Sprachen und Literaturen Bd. 59, Frankfurt am Main, Berlin u. a. (Verlag Peter Lang), 2000.

Monika Elsner legte diese kulturwissenschaftlich orientierte Dissertation im Jahr 1998 an der Universität Siegen ab.
Hartmann, Annette, "Doing Tango - Performing Gender", in: Gabriele Klein u. Christa Zipprich (Hg.), Tanz Theorie Text, Jahrbuch Tanzforschung 12, Münster, Hamburg u. a. (LIT Verlag) 2002.

"Aus der Perspektive der Gender Studies beschreibt Annette Hartmann die Konstruktion von Geschlechtsidentitäten in Lyrik und Tanz des argentinischen Tango. Gesellschaftstanz ist ein Ort zur Einübung in und Inszenierung der jeweils herrschenden Geschlechternormen. Und Paartanz ist bewegungstechnisch patriarchal konstruiert: der Mann bestimmt die Choreographie, die Frau präsentiert sich im Rahmen seiner Vorgaben. Tangolieder beschreiben heterosexuelle erotische Beziehungen aus der Sicht des Mannes. Die Frau fungiert in diesen Texten lediglich als Objekt, als Projektionsfläche männlicher Wünsche und Ängste. Auch das Bewegungsvokabular ist dezidiert geschlechtsspezifisch ausgerichtet: Scharfe, starke Bewegungen des Mannes kontrastieren mit weichen, fließenden, kleinräumigen Bewegungen der Frau. Hartmann stellt eine Tanzkompanie vor, die – ausschließlich aus Tänzerinnen bestehend – die binäre heterosexuelle Opposition des traditionellen Tango subvertiert: "Tango mujer" bricht die Rollenverteilung von Führen und Folgen auf: Das Macho-Modell wird inszeniert und sogleich dekonstruiert. Kleidung, Führungsrolle und Schrittvokabular sind nicht mehr einer Geschlechterrolle zugeordnet, der Dualismus wird aufgelost. Die Tänzerinnen spielen mit den binären Rollen, dennoch bleiben sie als Bezugspunkt erhalten. Anders als z. B. die Contact Improvisation schafft dieser "queer Tango" die Geschlechterstereotypen nicht ab." Quelle 

Die gleichnamige Magisterarbeit aus dem Jahr 2001 ist in der Bibliothek der Ruhr-Universität einzusehen. Email von Annette Hartmann: annette.hartmann@rub.de 

Heyn, Christiane, "Die Tangoszene in Berlin. Geschlechterrollen und Kleidungsvorlieben." Magisterarbeit am Institut für Europäische Ethnologie der Humboldt-Universität zu Berlin, Philosophische Fakultät I, 28.9.2001. Die Arbeit ist in der Institutsbibliothek einsehbar. 

Kontakt

Das größte Forschungsvorhaben findet sich derzeit im Fachbereich Sportsoziologie der Universität Hamburg:

"Trans/nationale Identität und körperlich-sinnliche Erfahrung. Urbane Tanzkulturen aus Lateinamerika im europäischen Kontext. Das Beispiel Tango und Salsa."

Drittmittelprojekt: gefördert von der DFG

Leitung des Projektes: Prof. Dr. Gabriele Klein

Wissenschaftliche Mitarbeiterinnen:
Dipl.-Soz. Melanie Haller
Elke Koepping (M. A.)

Laufzeit des Projektes: November 2004 - Juni 2007

Das Forschungsvorhaben "Transnationale Identität und körperlich-sinnliche Erfahrung" untersucht die Bedeutung lateinamerikanischer urbaner Tanzkulturen unter identitätstheoretischen, erfahrungstheoretischen und körpertheoretischen Aspekten am Beispiel von Tango und Salsa. Die tänzerischen Praktiken von Tango und Salsa werden dabei zum einen als Beispiele kultureller Transnationalisierung und Globalisierung verstanden. Mit dieser Schwerpunktsetzung richtet das Projekt eine strukturtheoretische Perspektive auf die Hybridität von Kulturen in globalisierten Gesellschaften und damit auf Prozesse der (Re-)Ethnisierung, der Neu-Erfindung von Tradition und der Kultivierung von Nostalgie und Ursprungsmythen in und über tanzkulturelle Praxis.

Zum zweiten werden Tango und Salsa als Beispiele für eine sich seit den 1980er Jahren vollziehende "Ästhetisierung der Lebenswelt" herangezogen. Die Fragen, inwieweit diese transnationalen Tanzkulturen eine "Überhöhung des Alltäglichen"  darstellen und die körperlich-sinnliche Erfahrung des Tanzes relevant für die Lebenswelten und Identitäten der lokalen Akteure sein können, werden aus einer mikrotheoretischen Perspektive des Alltags bearbeitet. 

Publikationen im Rahmen des Projektes:

Klein, Gabriele u. Melanie Haller: "Bewegtheit und Beweglichkeit. Subjektivität im Tango Argentino", in: Margrit Bischof, Claudia Feest, Claudia Rosiny (Hg.): E_motion. Jahrbuch Tanzforschung 16, Münster: Lit. Erscheint voraussichtlich August 2006.

Klein, Gabriele u. Melanie Haller: "Präsenzeffekte. Zum Verhältnis von Bewegung und Sprache am Beispiel lateinamerikanischer Tänze", in: Gugutzer, Robert (Hg.): Body turn. Zur Soziologie von Körper, Bewegung und Sport, Bielefeld: Transcript. Erscheint voraussichtlich August 2006.

Kontakt und Website.

Klothmann, Nastasja: beginnt derzeit ihre Magisterarbeit im Fach Geschichte an der Uni Hamburg zu den Anfängen des Tangobooms in Deutschland, mit einem Schwerpunkt auf die Jahrhundertwende 19./20. Jh.

Kontakt
und Website
Kulasek, Bartos, "Bewegungskultur des Tango Argentino in Berlin", Staatsexamensarbeit, Humboldt Universität Berlin, Philosophische Fakultät IV, Institut für Sportwissenschaft, 2004. Wer sich für die Arbeit interessiert, kann sie direkt beim Autor einsehen.

Kontakt
Rieloff, Joanna: Die in Berlin lebende Kulturwissenschaftlerin arbeitet gerade an ihrer Diplomarbeit an der Universität Viadrina in Frankfurt/Oder zum Thema der Inszenierung von Geschlechterverhältnissen im Tanzfilm. Dazu untersucht sie einen Flamenco- ("Carmen" von Carlos Saura) und einen Tangofilm ("The Tango Lesson" von Sally Potter). 

Kontakt
Sedó, Melina, "Geschlechterrollen im argentinischen Tango", Diplomarbeit im Fachbereich Psychologie der Universität des Saarlandes, Saarbrücken 2003.

Ausführliche Geschichte des Tango, sowie Betrachtungen zur Tangoszene in Deutschland, der Milonga und ihrer Traditionen. Die Diplomarbeit ist komplett von Melinas Website als pdf-Dokument herunterzuladen. Melina unterrichtet zusammen mit Detlef Engel Tango mit Schwerpunkt in Südwestdeutschland und Frankreich und veranstaltet Events.
Link zum Download

Website und Kontakt
Torp, Joergen: Der in Hamburg lebende Musikwissenschaftler schloss im Mai 2006 seine Dissertation im Fach "Systemische Musikwissenschaft" ab. Sie entstand auf Basis eines einjährigen DAAD-Stipendiums in Buenos Aires. Sie dürfte vor Veröffentlichung vorläufig in der musikwissenschaftlichen Bibliothek in Hamburg einsehbar sein (und auf Anfrage beim Autor). Zum Tango veröffentlichte er weiterhin:

1989: Zur Entwicklungsgeschichte urbaner Popularmusik unter besonderer Berücksichtigung des Tango rioplatense. Unveröffentlichte Magisterarbeit, Hamburg: Universität Hamburg.

1999: "Die Verbreitung des Tango Argentino", in: Marianne Bröcker (Hrsg.): Berichte aus dem ICTM-Nationalkomitee Deutschland Bd. VIII: Prozesse der Aneignung (nicht nur) traditioneller Musik in der eigenen - aus fremden Kulturen – Freie Berichte. Bamberg: Universitätsbibliothek Bamberg, S. 129-137.

2000: "Tango: Improvisation in a Couple Dance", in: Frank Hall, Irene Loutzaki (Hrsg.): ICTM 20th Ethnochoreology Symposium Proceedings 1998: Traditional Dance and its Historical Sources – Creative Processes: Improvisation and Composition. Istanbul: Bogaziçi University Folklore Club, S. 330-336.

2002: "Tempo, Rhythmus, Bewegung. Beziehungen zwischen Musik und Tanz", in: Marianne Bröcker (Hrsg.): Berichte aus dem ICTM-Nationalkomitee Deutschland Bd. XI: Die Dimension der Bewegung in traditioneller Musik – Freie Berichte. Bamberg: Universitätsbibliothek Bamberg, S. 101-112.

Kontakt

Dr. Villa, Paula-Irene (Sozialwissenschaftlerin)

Monographien

"Sexy Bodies. Eine soziologische Reise durch den Geschlechtskörper." Opladen: Leske und Budrich 2000 (2. Auflage 2001, 3. Auflage 2006 bei VS – Verlag für Sozialwissenschaften). Darin ein Kapitel zum Tango: Kap. 6 "Der Tanz der Konstruktionen".

Aufsätze

"Bewegung im Diskurs: Post-traditionale und transnationale Subkulturen." In: Gugutzer, Robert (Hg.), body turn. Zur Verkörperung der Soziologie. Bielefeld: Transcript 2006 (i. E.)

"Pasión! Leidenschaft? Tango zwischen globalem Diskurs und lokaler Praxis." In: Lehnert, Gertrud u. Otmar Ette (Hg.), Große Gefühle. Berlin: Kadmos 2006 (i. E.)

"Mit dem Ernst des Körpers spielen: Körper, Diskurse und Emotionen im Argentinischen Tango." In: Alkemeyer, Thomas et al (Hg.), Aufs Spiel gesetzte Körper. Aufführungen des Sozialen in Sport und populärer Kultur. Konstanz 2003, S. 131-156.

"Exotic Gender (E)Motion: Zur westeuropäischen Verschränkung von Körper und Leib im argentinischen Tango." In: Hahn, Kornelia u. Michael Meuser (Hg.), Soziale Repräsentationen des Körpers – Körperliche Repräsentationen des Sozialen. Konstanz 2003, S. 179-206.

"Tanz die Leidenschaft! Argentinischer Tango zwischen Anrufung, Phantasma und Herzklopfen." In: Berliner Debatte Initial 13/2002, S. 111-119.

Kontakt über das Institut f. Soziologie und Sozialpsychologie der Universität Hannover. Website und Kontakt

 

 


Email:
willkommen@tangokultur.info

Im Internet:
www.tangokultur.info

Herausgeber:
Jörg Buntenbach (V.i.s.d.P.)